Zinsen + Kursgewinne + Sicherheit = deswegen werden Anleihen gekauft!

Was ist der Anleihenkauf?

Anleihen werden zu Unrecht als langweilige „Witwen- und Waisenpapiere“ verulkt. Attraktive Anleihen bringen Zinsen, Kursgewinne und Sicherheit. Der „Haken“ ist, mit ihnen im Durchschnitt nicht soviel verdient wird, wie mit Aktien. Risikobewussten Anlegern ist das zu wenig. Börsenmeister Andre Kostolany meinte daher zu Recht „Wer Aktien hat, kann gut essen, wer Anleihen hat, gut schlaffen“. Wo in der heutigen „Niedrigzinsphase“ der Anleger dennoch attraktive Jahresrenditen von 4%-5% bei hoher Sicherheit erzielt, zeigen die unteren Beispiele.

„Nullzinsen“ sind ein Mythos – Bundesanleihe wirft eine (laufende) Jahresrendite von 4,0% ab!

Es wird behauptet, die Renditen der EU-Staatsanleihen liegen heute bei 0% bis 1% jährlich und es lässt sich ergo mit den Anleihen nicht viel verdienen. Diese Interpretation ist irreführend, weil hier nur die Gesamtrendite gemeint ist. denn genau so wichtig ist die laufende Rendite. Beispiel: Wer die obige Bundesanleihe zu 163,18 mit einem jährlichen Nominalzins (Kupon) von 6,5% kauft, erzielt eine laufende Rendite von 4,0%. Nur wer die Anleihe bis zur Endfälligkeit in 2027, also 10,3 Jahre, durchhält, bekommt die wesentlich schlechtere Gesamtrendite von 0,8%. Dazu folgende Rechnung nach der Renditeformel:

71,5 (wegen 11 Zinszahlungen a 6,5%) + 100 (Rückzahlungskurs) – 163,18 (Einstandskurs) = 8,32

8,32 geteilt durch 10,3 Jahre Anlagezeit = ca. 0,8% p. a.

Ein solches Durchhalten wäre unklug. Denn der Anleger kann bereits in 2020 aussteigen, wie in der von comdirect überarbeitet Graphik mit dem hypothetischen Kursverlauf der Anleihe bis 2027. 2020 sucht er sich ein neues Papier mit 10 Jahren Restlaufzeit und verkauft es 2023. Mit dieser Strategie sichert er sich wieder 4% jährlich. Die Empirie zeigt: Die Kurse bei Langlaufenden Anleihen tendieren erst wenige Jahre vor der Endlaufzeit gegen 100. Die Unsicherheit tritt ein, wenn die „Konvergenz“ der Anleihe gegen 100 schon früher beginnt. Die obigen 0,8% jährlich sind dennoch sicher, es sei denn der Bund geht Pleite!

Auch DAX-Anleihen haben attraktive Renditen (Beispiel: 3,5% RWE 2015/2025/2075)

Bei den nachrangigen Anleihen deutscher und europäischer Großkonzerne ist die Situation noch günstiger. Bei Papieren von VW, RWE oder Lufthansa erzielt der Anleger selbst Gesamtrenditen von über 4%, so bei der 3,5% RWE 2015/2025/2075, die zuletzt bei 94,9 notierte. Unternehmensanleihen sind rein formal nicht so sicher wie die Staatsanleihen. Die Emittenten sind aber wirtschaftlich zu bedeutsam, dass sie in echten Krisenfällen nicht von den Staaten gerettet würden. Die These to big to fail, sollte eigentlich auch bei schwächenden EU-Ländern gelten. In Portugal sind bis 6%, in Griechenland bis 8% zu haben!

Was macht derjenige, der vor Aktien Angst hat, dem aber 4% zu wenig sind?

Zunächst darf der Mutige versuchen Kursschwankungen zu nutzen, die selbst bei Bundesanleihe mit 20%-30% in Mehrjahresintervallen (Graphik) nicht gering sind. Die notwendige Charttechnik hatte er im letzten Beitrag auf Arcadi gelernt. Das bunte Anleihenuniversum hat zudem für jeden Anlegertypus ein passendes Produkt. Es gibt es Währungsanleihen, Mittelstandsanleihen, Tieranleihen, Wandelanleihen, Zerobonds und einiges mehr. Die Dateien einiger Direktbanken (maxblue, comdirect, onvista) enthalten über 70.000 Titel. Weltweit sind 75% des Kapitals in Anleihen und nur 75% in Aktien investiert.

Wer mehr über Anleihenstrategien und Musterdepots erfahren will, sei auf das neue Fachbuch des Autors „Renditestarke Anleihen in der Niedrigzinsphase und seinen neuen Börsenbrief „Der Zinsdetektiv“ (Anfrage unter: heese1@t-online.de) verwiesen.

Viktor Heese
Über Viktor Heese 96 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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