Wie passt so etwas zusammen? Die Wirtschaft ächzt, die Börse boomt!

Ein kurzer Blick auf die Kursgraphik des DAX lässt uns erstaunen: mit knapp 13.000 Punkten stehen wir heute (Ende September) fast dort wo zu Beginn der Corona. In der vorherigen Neue Markt- und Finanzkrise (Ausbruch 2000 und 2009) hat es wesentlich länger gedauert, bis die alten Vorkrisen-Höchststände wieder erreicht wurden. Aber warum ignoriert die Börse offensichtlich die aktuellen Horrormeldungen aus Wirtschaft und Gesellschaft. Weiß der Kapitalmarkt mehr als wir? Wird vielleicht doch nicht so heiß gegessen, wie gekocht? Woran mag die Diskrepanz zwischen der düsteren Erwartung und der helleren Realität noch liegen?

 Erfahrung – Die Börse ist ein guter Frühindikator und irrt selten

Die Börse kann laut einer alten Weisheit alle relevanten Wirtschaftsereignisse etwa ein halbes Jahr voraussehen und diese in die Kurse übertragen. Eine solche hellseherische Fähigkeit wird ihr sowohl im Großformat (Konjunktur) als auch im Kleinformat (Einzelaktie) zugesprochen. Wer zuletzt den Kurssturz der Wirecard-Aktie beobachtet hatte, weiß dass an der zweiten Teilaussage etwas dran sein wird. Sie setzt die harten Fakten (sog. Indikatoren) um, wie z.B. die hohen Auftragseingangszahlen die sofort kursrelevant wirken, obwohl sie das Anspringen der Konjunktur erst ankündigen und noch kein Anstieg per se bedeuten.

Es gilt in der Realität: Erst kommen die Kurse, danach die Nachrichten. Auch wenn viele Laien glauben es sei umgekehrt und jeder merklichen Kursveränderung muss eine zeitgleich korrespondierende Wirtschaftsnachricht zugrunde liegen und daher den Terminkalender sklavisch verfolgen.

Feststellung – Der DAX repräsentiert die deutsche Wirtschaft heute schon lange nicht mehr

Vertrauen wir dieser „Erkenntnis“ stehen uns rosige Nach-Corona-Zeiten bevor, wie uns eben unser Wirtschaftsminister Altmeier beruhigt. Alles wird gut! Der informierte Skeptiker wird dennoch hinter einer raschen und kräftigen „Erholung“ in dreifacher Hinsicht ein großes Fragezeichen setzen.

Erstens: der DAX-Index steht nur für 35%-40% der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP), die bekanntlich vom Mittelstand dominiert wird. Geht es den Großkonzernen prächtig, gilt das nur bedingt für die gesamte Volkswirtschaft.

Zweitens: ausländische Finanzinvestoren „packten“ sofort bei unseren DAX-Aktien zu als das Börsenbarometer um bis 40% auf knapp über 8.000 Punkte fiel. Dieser Vorgang wird schnell verpuffen.

Drittens: die Bundesbürger verkauften dagegen hysterisch die Dividendenpapiere und flohen in Cash. Sie haben immer noch Angst vor einer Mega-Inflation, da sie mitbekommen wie die Regierungen bei der EZB munter „Geld drucken lassen“ um die „Corona-Rettungspakete“ zu finanzieren“. Auch dieser Vorgang ist einmalig.

Summa summarum: der DAX-Anstieg ist womöglich übertrieben, die Aktien nach Meinung einiger Analysten in der Breite etwa 25% zu „teuer“. https://der-5-minuten-blog.de/dax-kgv

Prognose – Was folgt ökonomisch, wenn die Börse trotzdem weiter steigen sollte?

Sollte die Konjunktur (BIP) dennoch bald ihr Vor-Corona-Niveau erreichen, bleibt bei weitem nicht alles beim „Alten“.

Auch hier sind drei gravierende langfristige Trends heute klar ersichtlich. Die dazu passenden Stichworte lauten: Neugeburt des Staatskapitalismus gerade aufgrund der Corona-Hilfen (Beteiligungen, Kredite, Dauersubventionen, jede Menge neuer Kontrolljobs für Parteibosse), brutaler Niedergang der Kleinbetriebe/Selbständigen und eine steigende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten. Die letzten beiden Trends resultieren weitgehend aus den ersten. Soziale Unruhen sind nicht zu befürchten. Auch Hartz IV kann gedruckt werden. Und die „Reichen“? Diese werden sich in diesem Szenario mit den neuen Parteibonzen gutstehen und in Ruhe gelassen. Schon heute wählen die gut situierten in Millionen die Grünen.

Es geht wirtschaftlich bergab auch bei einem DAX von 20.000!

Selbst an einem DAX-Stand von 20.000 Punkten dürfte kaum erkennbar werden, dass es den meisten Deutschen schlechter bald gehen wird. Das pragmatische Ausland, hier in erster Linie die USA, China, die osteuropäischen Oligarchen oder die OPEC-Investoren dürfte Deutschland generell und seine Großkonzerne insbesondere (Ausländeranteil an DAX-Aktien 2019 schon 55%, bei Adidas oder der Deutschen Börse sogar über 80%), sukzessive aufkaufen. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/aktienmarkt-mehrheit-der-dax-aktien-gehoeren-auslaendischen-investoren/24495332.html

Die Investition wird eine kluge sein. Die Deutschen sind ja ein fleißiges Volk, das doch so gerne für seine Migranten und die neuen Besitzer ihrer Wirtschaft arbeiten wird.

Viktor Heese
Über Viktor Heese 136 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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