Wie funktioniert die Börse (1): Wo kann man an der Börse Geld verdienen?

Die nachfolgende Reihe vermittelt dem Leser das Grundwissen über die Funktionsweise der Börse. Die ersten sieben Beiträge befassen sich mit der Anlagentheorie, die beschreibt welche Anlageklassen wann gekauft werden sollten. Der letzte Beitrag erklärt dem Neuling, wie er mit einem Musterdepot vor dem „echten Börseneinstieg“ etwas üben kann, bevor es ernst wird. Der erste Beitrag zeigt, wo an der Börse überall Geld verdient werden kann und ist als eine Art „Appetitanreger“ zu verstehen. In den Folgebeiträgen wird neben der „Börsentechnik“ auch auf die Risiken genauer eingegangen. Wer diese jedoch kennengelernt hat, kann ihnen – genauso wie beim Autofahren – eher ausweichen.

Beispiel 1: Deutscher Aktienmarkt (DAX)

bild1 Dax-Entwicklung 1987-2016

Wer vor 29 Jahren am deutschen Aktienmarkt investierte, konnte bis 2016 aus 1.000 € stolze 11.420 € machen. Nach der Zinseszinsrechnung entsprach das einer Jahresrendite von 9%. Damit wäre noch keiner reich geworden, für einen kleinen PkW würde es aber immerhin reichen. 2016 hätte der Aktionär 7% erzielt. Leider ist ein Aktienkauf auch riskant. Von 2000 bis 2002 haben die Aktien 70% an Wert verloren, als der DAX von 8.000 auf 2.200 Punkte fiel, um nach vier Jahren wieder auf seine alte Marke zurückzukehren. In dieser Zeit lag die Jahresrendite sogar bei 35%. Das Glück bzw. das Unglück an der Aktienbörse hängt also entscheidend vom Einstiegszeitpunkt ab. Die alleinige Erkenntnis, dass sich langfristig mit Aktien gutes Geld verdienen lässt, ist nicht sehr hilfreich. Wer hat denn schon 29 Jahre Zeit und besitzt die Nerven dafür solche Höhen und Tiefen durchzustehen?

Beispiel 2: langfristige Bundesanleihe (2005-2016)

Kurs Entwicklung 4,00% Bundesanleihen 2007-2017

Auch mit Anleihen können ansehnliche Börsengewinne gemacht werden. Dazu folgendes Beispiel: Der Halter einer 4%igen Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit bis 2037 hätte in den letzten 10 Jahren neben den Zinseinnahmen von 40% noch 60% Kursgewinne erzielt. Das sind mehr als 7% jährlich. Heute müsste er sich am Markt mit weniger als einem Prozent jährlich begnügen. Unser Investor könnte zudem ruhiger schlafen, da die Kursschwankungen (Volatilität) seiner Papiere viel geringer ist als bei den Aktien. Auch in diesem Fall gilt: Derjenige, der den richtigen Kaufzeitpunkt erwischt und Geduld zeigt – eine 10jährige Anlagedauer ist eine lange Zeit -, erzielt hohe Gewinne.

Beispiel 3: Kauf-Optionsschein (Derivat) auf die Adidas-Aktie

Adidas Aktie vs. Kauf Optionsschein 2016

Die besten Gewinnchancen bieten die Derivate. Bei dem vorgestellten Kauf-Optionsschein auf die Adidas-Aktie hätte der Inhaber in 2016 über 500% verdient. Das sind achtmal mehr als bei der Aktie selbst, die 2016 im DAX mit + 65% Spitzenreiter war. Was die Graphik nicht zeigen kann, ist der Totalverlust, welcher beim Derivat eintritt, wenn der Aktienkurs bis zum 18.01.2018 (unerwartet) unter 100 € fällt. Der Aktionär verliert dann 48%, hat aber die Chance, dass der Aktienkurs sich erholt. Denn eine Aktie besitzt eine unbegrenzte und ein Derivat nur eine begrenzte Laufzeit. So ist es an der Börse. Hohe Chancen gehen immer mit hohen Risiken einher. Daher unterscheiden die Profis zwischen dem kurzfristigem Trading – gelegentlich auch Spekulation genannt – und einer langfristigen Anlage.

 

https://arcadimagazin.de/wie-funktioniert-die-boerse-1-wo-kann-man-an-der-boerse-geld-verdienen/

 

Viktor Heese
Über Viktor Heese 86 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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