Weltweit investieren mit Fonds – oder gibt es da einen Haken?

Obwohl Fonds nur Sets aus einzelnen Aktien, Anleihen, Derivaten oder deren Mischungen darstellen, weisen sie für den Investor interessante Besonderheiten aus. Jedes Privatdepot ähnelt einem Fond, mit dem Unterschied, dass Fonds Wertpapiere sind, die von professionellen Gesellschaften aufgelegt und an der Börse gehandelt werden. Wenn Fonds in Deutschland populärer als die Einzelanlagen sind, liegt dies nicht an besseren Renditen und anderen Vorteilen sondern an Verkaufsoffensiven der Banken.

Pros

Einzelanlagen verlangen vom Investor Fundamentalwissen beim Kauf – besonders bei wenig bekannten Titeln – und Beobachtungszeit beim Verkauf (1). Diese Aufgaben nimmt ihm das Fondsmanagement ab. Zudem kann er nicht in allen Märkten, z.B. auf den Aktienmärkten in China oder in Vietnam, aktiv sein (2), weil er dort als Ausländer keinen Zugang hat. Kauft er die Aktien an deutschen Börsen wo sie wenig liquide sind, muss er mit Kursverzerrungen rechnen. Gleiche Einschränkungen kann es für bestimmte Branchen geben (Graphik, linkes Bild). Durch die hohe Anzahl der Titel in einem Fonds wird auch das Risiko (3) gestreut. Schließlich kann Otto-Normal-Anleger mit einem monatlichen Sparbetrag von vielleicht 200 € nicht nur wegen der Mindestgebühren (4) wenig am Aktienmarkt anstellen. Wenn er im Juni 2017 gleichzeitig die Allianz- und Adidas-Aktien kaufen möchte, müsste er passen, weil beide Aktien zusammen über 350 € kosten. Für Fonds, die Anlagevolumina von mehreren Hundert Milliarden Euro verwalten, haben mit Mindestmengen keine Probleme.

Cons

Fonds sind wegen der erfolgsunabhängigen Ausgabeaufschläge (einmalig bis 3%), von denen die Manager und die Verwaltung leben, nicht billig (A). Gebühren von Spezialfonds (Schiffsfonds, geschlossene Fonds) erweisen sich für die Banken oft als wahre Grubengruben. Das regt viele Investoren besonders dann auf, wenn sie von den Banken, die eigene Kreationen verkaufen müssen, deswegen so massiv beworben werden. Zumal wenn die Rendite nicht stimmt (B). Auch Fondsmanager „kochen nur mit Wasser“ (Graphik, rechtes Bild). In gewisser Hinsicht sind sie unflexibler (C) als der Privatinvestor, weil sie laut ihren Anlagestatuten zu über 90% investiert sein müssen.


In Baissephasen gelingt es ihnen den Index als Erfolgsmarke zu schlagen (z.B. DAX bei -20%), das Ergebnis bleibt dennoch leider negativ (hier z.B. -10%). Letztendlich besitzt auch der Fondsanleger die Qual der Wahl, weil es am Kapitalmarkt mehrere Tausend Fonds gibt (D). Er wird von seinem Entscheidungszwang nicht befreit, indem er „einen Fonds“ kauft. Welchen, bitte? Ob er aus dem DAX die fünf besten Einzeltitel oder aus dem Fondsuniversum mit dem Anlageschwerpunkt deutsche Standardwerte die gleiche Anzahl von Fonds auswählen muss, macht für ihn kaum einen Unterschied.

Unterschiede zu ETFs

Ein Fonds bildet den Markt nicht so „sklavisch“ und „steif“ ab, wie der im früheren Beitrag des arcadimagazins vorgestellte ETF (Exchange Trading Fund). Wird ein ETF mit einer Fußballmannschaft verglichen, so stellt der Fonds die auf dem Spielplatz aktiv eingesetzten Spieler ab. Ihre Namen und die Spielzeiten wechseln von Spiel zu Spiel. So sind auch die aktiv gemanagten Aktienfonds mit Schwerpunkt deutsche Standardwerte hinsichtlich ihrer Zusammensetzung ständig in Bewegung, während der statische DAX allenfalls einmal im Jahr aktualisiert wird. Ob viel Umschichtung aber gut für die Rendite ist, soll dahin gestellt werden. Weil ETFs uniformierte Standardware am Kapitalmarkt darstellen, sind die Ordergebühren hier jedoch gering (0,2% bis 0,5%).

 

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Viktor Heese
Über Viktor Heese 86 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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