Was kaufen: Renten, eine DAX-Indexanlage (ETF) oder eine Einzelaktie?

Wer als Neuling an der Börse aktiv werden will, überlegt wo er zuerst einsteigt. Wenn er dabei nicht gerade „zocken“ möchte, – die Anlage in Derivaten behandeln wir später – kann er grundsätzlich zwischen Aktien und Anleihen (Renten) wählen. Aktien bringen eine bessere Rendite, sind aber riskanter. Bei Renten ist es umgekehrt. Das Kurrisiko wird anhand der Kursschwankungen, der Volatilität, gemessen (Abb. 1). Hat sich unser Anfänger für Aktien entschieden, muss er zu Beginn die wichtige Frage beantworten: Kaufe ich einen Aktienindex oder die Einzelaktie. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Es handelt sich immer, um einen relativen Vergleich. Die Frage, wann der richtige Einstieg für jeden dieser Fälle ist, wird damit noch nicht beantwortet.bild2

Wer die DAX-Indexanlage (ETF) kauft, kauft nur den Markttrend!

Ein Aktienindex, wie der DAX, ist mit dem Warenkorb der Hausfrau Lotte Müller vergleichbar. Der Korb, welcher heute 100 € kostet und unterschiedliche Warengruppen (Getränke 20%, Nahrungsmittel 50%, Bekleidung 30%) enthält, unterliegt ständigern Wertschwankungen, weil sich die Einzelpreise verändern. Mit ihnen verändern sich auch die Gewichte der Warengruppen. Der DAX enthält statt Warengruppen 30 Einzeltitel mit unterschiedlichen Gewichten, die per 25.01.2017 von der SAP-Aktie mit 8,8% angeführt wird. (Der Renteindex REX ist genau so konstruiert). Wie beim Warenkorb, üben die DAX-Aktien mit dem höchsten Gewicht den größten Einfluss auf den Indexwert. Weil es umständlich ist, den DAX in seiner Gewichtung zu kaufen – wer schon 1.000 € investieren will, müsste diesen Betrag auf die 30 Einzelaktien aufteilen – haben die Banken eine Reihe von „Indexanlagen“ (Zertifikate, ETF von Exchanged tradet-funds) erfunden, die den DAX 1:1 abbilden. Wenn der DAX bei 11.700 Punkte steht, 1 Punkt einem € entspricht und ein ETF-Anteil ein Prozent des DAX-Wertes ausmacht, kostet dieser Anteil 117 €. Steigt der DAX auf 12.000 Punkte macht der ETF-Käufer einen Gewinn von 3 €. Die Bank verdient an den Kauf- und Verkaufsgebühren. Das Kursrisiko trägt allein der Anleger. So wie der Warenkorb die Wertentwicklung am Verbrauchsgütermarkt abbildet, bildet der DAX und – damit der ETF – die Wertentwicklung am gesamten Aktienmarkt ab. Der ETF-Anleger kauft immer den Trend. Wem das nicht genügt muss zur Einzelaktie greifen.

Jede Einzelaktie hat ein spezifisches Risiko – Chancen – Profil

Es gibt Aktien, die sowohl eine bessere Kursrendite als auch ein geringeres Kursrisiko als andere DAX-Titel haben. In den vergangenen fünf Jahren zählten hierzu nach Abb. 2 (das überarbeite Diagram ist aus finanzen.net entnommen) Adidas, Fresenius und Continental. Welche Anlagerelevanz hat diese neue Erkenntnis? Der Börsenneuling wählt zur Sicherheit die Titel aus der „Wertewolke“ (Kreis), weil diese Aktien nicht im Extrembereich liegen und dennoch den Index geschlagen haben (hier 80%). Ausser der fehlenden Sicherheit, dass sich die Entwicklung in der Zukunft fortsetzt, gilt bei der Einzelaktie im Unterschied zum Index bei der Einzelaktie nicht das Prinzip Risikominderung durch Streuung. Wenn der DAX steigt gibt es immer einige Aktien, die zu diesem Zeitpunkt fallen werden. Wie diese mit den bekannten Bewertungsmethoden der Fundamental- und Charttheorie eliminiert werden, erfährt der Leser in den folgenden Beiträgen.bild1

 

arcadimagazin.de/was-kaufen-renten-eine-dax-indexanlage-etf-oder-eine-einzelaktie/

 

Viktor Heese
Über Viktor Heese 96 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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