Warum will die Deutsche Bank keine Staatshilfe? Dem „Intensivpatienten“ kann Corona nichts mehr antun

Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bank am 20. Mai wird unspektakulär verlaufen. Der ausgeknockte einstige Global Player wird Dividendenausfall, strenges Kostenmanagement und kleine Erfolgsschritte auf seinem dornigen Sanierungswege ankündigen. Demgegenüber sollten ein Appell um Staatshilfe, Standarddrohung über Arbeitsplatzabbau und Warnungen vor neuem Finanzcrash nicht laut zu höher sein. In der Corona, wenn viele die Gunst der Stunde nutzen um an Altmaiers Töpfe zu kommen eigentlich ungewöhnlich. Würde man doch dem Dauerpatienten noch am ehesten die alarmierende Notlage abkaufen. Warum scheint der gefallene Titan gegen die Corona immun zu sein?

„Sündenbewältigung“, Nachrichteimmunität, Reue und Geduld bestimmen den Geschäftsalltag

Die Jubilarin, die in diesem Jahr ihr 150. Gründungsjahr feiert hat seinen Fall dem eigenen Größenwahn und der Dummheit der Anleger zu verdanken. Die Gründe sind schnell genannt: rücksichtslose Renditejagd (Ackermanns berühmte 25%), maßlose Expansion im Profitparadies USA, Täuschung der gierigen Aktionäre mit Anglizismen und Geschichten von der New Economy, Papiertiger-Status der deutschen Aufsicht BaFin und letztendlich die Installierung von Rettungsschirmen für den Fall, wenn das Investmentbanking schief geht (Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren). Von diesen Altsünden haben sich die Frankfurter mangels Spielgeldes verabschiedet. Hochmut kam vor dem Fall.

Der Kurs liegt aktuell unter 6 € (93% Verlust vom Allzeithoch). Andere „Untergangskennzahlen“ sehen genauso schlimm aus (Graphik). Die Bank verfügt noch immerhin noch 57 Mrd. € Eigenkapital, mehr als die Aufsicht verlangt. Stimmt diese Zahl sind es bei einer Aktienstückzahl von zwei Milliarden https://www.db.com/ir/de/informationen-zur-aktie.htm immerhin 28 € je Aktie, bei viermal niedrigeren Aktienkurs. Den Zahlen wird also misstraut, wenngleich die Börse auch “nach unten“ oft übertreibt.

Wie dem auch sein, bei schrumpfendem Geschäft – Umsatz, Bilanzsumme und Beschäftigung gehen stets zurück – und einem sukzessivem Ausstieg aus dem Investment Banking ist trotz theoretischer Corona-Megagefahren kein wirklicher Untergang zu befürchten https://www.manager-magazin.de/thema/banken/.

 

Der Bank gibt der „traditionelle“ Kapitalmarkt heute wieder Geld

So pendelt der Aktienkurs seit gut zwei Jahren im Intervall 6 – 10 € trotz des Dauerbeschusses von negativen Nachrichten (zuletzt wegen Fehlmanagement von US-Notenbank Fed) und der Herabstufung von Analysten. „Ist der Ruf mal ruiniert…“. Auch für die spekulativen Hedgefonds (Cerberus & Co.) ist der Finanzkonzern uninteressant geworden, weil er keine wertvollen Beteiligungen mehr besitzt. Hin und wieder wird mit Leerverkäufen in der Aktie gezockt. Das ist nicht existenzbedrohen, weil die Spekulanten sich oft verzocken und das Beispiel Deutsche Börse zeigt, dass ein solches Treiben langfristig nachlässt, wenn „nichts mehr zu holen ist“… Im Verlaufe der Jahrzehnte hat die deutsche Börse das ganze Tafelsilber veräußert worden, zuletzt mit dem Börsengang der Fondstochter DWS.

So überrascht die Tatsache nicht, dass das Institut sich am Kapitalmarkt problemlos refinanzieren kann https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/dank-notenbanken-deutsche-bank-will-sich-weniger-geld-am-kapitalmarkt-besorgen-8810845. Auch am Schulden-Rating Aaa von Moody ist ebenfalls nichts auszusetzen.

Altmaiers Hilfen, eine „Halbverstaatlichung“ und die SPD als Kontrolleur will keiner haben

Die Leser wundert es, die Bank will kein Geld vom Staat, wenngleich sie den Spruch vor großer „Corona-Angst“ pflichtgemäß absolvieren musste. Eine Ablehnung der Staathilfe wird wohl nicht zuletzt am Salär-Schnitt liegen, dass bei Staatshilfe massiv beschränkt wird. Bankchef Christian Sewing verdiente 2019 immerhin noch fünf Millionen Euro obwohl die Bank einen Verlust von über 5,4 Mrd. € einfuhr. Das ist zwar weiter eine Farce, aber für die deutsche Wirtschaft ist es besser, wenn der Staat über den Sitz im Aufsichtsrat keine Chance zur „Politisierung“ des Bankgeschäftes bekommt. Dann hätten wir sehr wohl bevorzugte Kreditvergaben an grüne und ökologische Unternehmen und Vorhaben zu befürchten. Das was jetzt von der Koppelung der Staatshilfen (casus Lufthansa) an Öko- und – wohl bald auch politische – Bedingungen zu hören ist, sind klare Warnsignale.

Vorschlag: Ex-Global Player sollte bald wieder „deutsch“ werden?

Wer den 517 Seiten starken 2019er Geschäftsbericht des Ex-Superstars und seine verbliebenen globalen Aktivitäten (Beispiel: Nr. 1 im Devisenhandel) unter die Lupe nimmt, muss fragen ob hier der Schrumpfungsprozess ins Stocken gekommen ist. Auch ein geschulter deutscher Aktionär versteht das nach der Internationalen Rechnungslegung (IFRS) verfasste Zahlenwerk nicht. Mehr „deutsch“ für den Kunden und den Anleger zu werden, könnte nicht schaden.

Fazit:

Welche Stichworte fallen uns bei der Deutschen Bank ein: vom Global Player zum Bankrotteur, rätselhafte Bilanzen, langer Abschied vom Investmentbanking, Gesundschrumpfung voll im Gange, massiver Job-Abbau, Deutsche Bank noch zu wenig „deutsch“, nicht das größte Sorgenkind in der Corona-Krise. Und last but not least: Totgesagte leben länger,

Viktor Heese
Über Viktor Heese 129 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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