Warum steigt die VW-Aktie trotz negativer Dauermeldungen?

vw-1665127_1920Seit der Aufdeckung des Abgasskandals im September 2015 vergeht kein Tag, an dem nicht negativ über VW berichtet wird. Schlagworte wie Manipulation, Schadensersatz, Sammelklagen, Strafzahlungen, Wiedergutmachung, Managerhaftung beschreiben die endlosen Vorwürfe gegen die „bösen Wolfsburger“. Zuletzt kamen noch Nachrichten über Massenentlassungen und die Millionen-Abfindung für eine Ex-Managerin mit SPD-Funktionärsvergangenheit hinzu. Schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden. Und dennoch steigt die Aktie, die seit dem Tiefpunkt vor einem Jahr fast 50% zugelegt hat, wieder kräftig an. Sieht die Börse das alles nicht? Bahnt sich da ein neuer Crash an? Die Beantwortung dieser Fragen zeigt, welche laienhafte Vorstellung die Deutschen über die Funktionsweise der Börse haben.

Falsche Nachrichtenwahrnehmung „der empörten Massen“

Denn mittlerweile ist bekannt, dass bei den Abgaswerten andere Global Player auch manipuliert haben. VW hatte „nur das Pech“ in den USA erwischt zu werden. Vielleicht war es kein Zufall, hatten doch die Deutschen dort zuvor Riesengewinne eingefahren. In den letzten Jahren wurden auffällig häufig viele Auslandskonzerne durch Sammelklagen (zuletzt casus Deutsche Bank) zur Kasse gebeten. Das reduzierte mitunter merklich die Rendite. Deswegen verließen/reduzierten viele Europäer ihre US-Präsenz, was aber ein ganz anderes Thema ist. Dessen ungeachtet werden „die Sünden“ der Wolfsburger hierzulande vom moralisierenden Mainstream massiv verteufelt. Dieser ist leider nicht imstande den Kursanstieg der VW-Aktie zu erklären, weil ihm das Fachwissen fehlt. Das ist kein Einzelfall. So tun sich die „politisch Korrekten“ schwer, die Börsenhausse trotz Trump zu erklären. Wie in anderen Fällen, hört der naive deutsche Michel auf den Mainstream und wartet auf den Untergang des VW-Konzerns.

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VW Aktie schlägt den Dax

Grundsolides Geschäftsmodell und hervorragende Bewertung der Aktie

Dieser wird sicherlich ausbleiben, weil nicht zuletzt Berlin den Autobauer – so wie die systemrelevanten Banken – durch Staatshilfen schützen müsste. Dazu besteht andererseits keine Notwendigkeit. Der Weltmarktführer mit über 10 Millionen produzierter Autos in 2016 verdient weiter prächtig und erwirtschaftetet in den ersten 9 Monaten 2017 fast 6 Mrd. €. Die VW-Aktie ist mit einem KGV von unter 6 und einer Dividenden-Rendite von über 3% – Erläuterungen der Kennzahlen folgen im späteren Beitrag – eine der am günstigsten bewerteten Aktien im DAX. Die Börse ist zudem keine ethische Institution. Sie interessiert nicht die moralische Seite des oben genannten Abgasskandals oder der Entlassungen, sondern die harten Fakten. Auf die Fundamentals schaut der Anleger, und nicht das was der Mainstream schreibt.

 Die Mammut-Strafzahlung von 16,2 Mrd. USD schmerzen, ist aber problemlos verkraftbar

Bei einem Eigenkapital von über 88 Mrd. € verliert auch die Mammut-Zahlung von 16,2 Mrd. USD an die US-Behörden und dortige Autobesitzer ihre Schrecklichkeit.

 Steigende Aktienkurse zu erwarten – Kurspotential der Aktie von 25% realistisch

Im Lichte dieser Tatsachen erwarten Analysten einen kontinuierlichen Anstieg der VW-Aktie innerhalb eines Jahres um durchschnittlich 25%. Diese hatte sich – trotz Einbruch im September um 60% – ohnehin in den vergangenen 10 Jahren zweimal besser entwickelt als der Index. Dem kann nur zugestimmt werden. Das steigende Interesse der Börsianer an der VW-Aktie belegen die wieder anziehenden Handelsumsätze.

 

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Viktor Heese
Über Viktor Heese 86 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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