Vier Gründe warum Belarus gegen westliche Wirtschaftssanktionen immun ist

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Westliche Sanktionsdrohungen purer Realitätsverlust

Der Westen hat aus gescheiterten Wirtschaftssanktionen (Iran, Kuba, Russland) wenig gelernt. Wer droht, sollte glaubwürdig ist. Wenn Merkel Putin um Hilfe bittet, ist die „Drohgebärde“ der EU unglaubwürdig. Es wird das eintreten, was Russlands Außenminister Lawrow Belarus-Migrantenkrise vorschlug – Milliarden für Minsk und Rehabilitierung Lukaschenkos sind der Preis https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/dreiste-kreml-forderung-eu-milliarden-an-lukaschenko-sollen-fluechtlinge-stoppen-78203890.bild.html. Brüssel darf sich nur aussuchen wie sie diesen Deal möchte um das Gesicht zu bewahren.

Warum Belarus auch ohne Russlands Hilfe sich gegen die EU-Sanktionen wehren kann?

Wer eine S.W.O.T.-Analyse zum Land betreibt und weitere fundierte Wirtschaftspublikationen liest file:///C:/Users/vikto/AppData/Local/Temp/GTAI-Wirtschaftsdaten_Juni_2021_EAWU.pdf der wird wohl zum Schluss geraten, es gibt keine ausgesprochene Schwachstelle an der die Sanktionen ansetzen können.

Die Risiken und Schwächen in der S.W.O.T. – Graphik beziehen sich auf bekannte Tatsachen der generellen Schwäche des Staatkapitalismus und der hohen Abhängigkeit von der russischen Wirtschaft, Sie können also durch West-Sanktionen nicht explizit noch verstärkt werden.

Die vier Gründe im Einzelnen

Grund 1:

Minsk – kein Armenhaus Europas

Die Ex-Sowjetrepublik Weißrussland hat 10 Mio. Einwohner und ist kein afrikanischer Habe-Nicht, sondern ein erfolgreiches postkommunistisches Land auf der mittleren Entwicklungsstufe mit knapp 20.000 USD Kaufkraft bereinigten BIP pro Kopf in 2019 (Platz 71 weltweit). Damit hat es doppelt so viel Einkommen wie der marode Nachbar die Ukraine. Die Sozialsysteme (Bildung, Gesundheit, Rentensystem) sind intakt, die gesellschaftlichen Unterschiede nicht gravierend – alles im allen kein Schlaraffenland aber ein solides Schwellenland mit mehr Staatkapitalismus als Marktwirtschaft.

Grund 2:

Keine „lebensnotwendigen“ Abhängigkeiten im Außenhandel mit dem Westen

Das Außenhandelsminus von 5-6 Mrd. USD und mit der EU von 2 Mrd. € (2020) fallen beim Gesamtvolumen von 10 Mrd. € – Polen hat fast 130 Mrd.  – nicht ins Gewicht. file:///C:/Users/vikto/AppData/Local/Temp/GTAI-Wirtschaftsdaten_Mai_2021_Belarus.pdf. Das sind marginale Größen da 70% des Handels auf Länder der Ex-Sowjetunion entfällt. Auch sind die Weißrussen nicht auf bestimmte „Strategische Güter“ angewiesen; sowohl bei der Einfuhr (Medikamente, Nahrung, Energie) als auch der Ausfuhr (Kali). Weißrussland gilt als zuverlässiger Exporteur von landwirtschaftlichen und Baumaschinen in die Staaten der Dritte Welt, die zwar nicht die westliche Spitzentechnologie aufweisen aber bezahlbar sind.

Grund 3:

Eher symbolische Auslandsschulden gut verkraftbar

Minsk besitzt – anders als sanktionierte Iran – keine nennenswerten Milliarden im Westen, die sich sperren ließen. Auch kann Minsk nicht finanziell sanktioniert werden, da es nur eine marginale Auslandsverschuldung aufweist. Die Migrationskrise wird an den Kapitalmärkten nicht dramatisiert. Eine bis 2027 laufende und mit 7,625% ausgestattete USD-Staatsanleihe von Belarus hat im letzten Monat 8% verloren und notiert jetzt bei 98,2% (Rendite 8%) https://www.finanzen.net/anleihen/a19kmp-belarus-of-anleihe: Im Markt sind 23 Mrd. USD bis 2031 fällig, zum Vergleich Griechenland ist zehnmal höher verschuldet. Die Staatsverschuldung ist mit 45% sogar deutlich niedriger als die der EU-Primus mit 65%.

Grund 4:

Wichtiger Verkehrs- und Transitknoten in globalen Ost-West-Handel eine TrumpfkarteHier hat umgekehrt Belarus als wichtiges Transitland im Schienen- und Straßenverkehr im Handel mit China und Asien schon seit langem und umso mehr in Zukunft bei der Neuen Seidenstraße ein starkes https://www.gtai.de/gtai-de/trade/branchen/branchenbericht/belarus/belarus-wird-wichtiges-transitland-auf-der-neuen-seidenstrasse-154414 „Trumpf“ der durch Lukaschenko zur Abwehr eingesetzt werden kann. Eine durch die Ukraine kommt nicht in Frage (schlechtes Straßennetz, Rebellen-Gebiete im Donezk, Russland lässt sich ohnehin nicht umfahren). Der litauische Hafen Klajpeda (Memel) klagt schon lange über Ladeeinbußen zugunsten der nach 2014 ausgebauten russischen Ostseehafen Ust-Luga.

Auch verläuft die alte, nicht mehr wichtige, die Jamal-Pipeline, die sibirisches Gas in den Westen, ins Baltikum, nach Polen, die Slowakei und Ungarn liefert über Belarus. Lukaschenkos jüngste Drohung den „Gashahn“ zuzudrehen, kann als Drohung für potentielle Transportstörungen verstanden werden.

Nachtrag: Litauen mit seiner längeren Grenze (650 km) als im Falle Polens (412km) und einer Mini-Bevölkerung (3 Millionen) bietet noch besseres Angriffsziel für den Einsatz der Migrationswaffe. Auch Estland hat immer noch eine 140 km lange Grenze mit Weißrussland. Selbst wenn Polen den Migrantensturm erfolgreich abwehrt, kommen immer noch diese beiden Einfallstore in die EU in Frage.

Fazit:

Die EU und anderer Westeliten wollen nicht lernen Autokraten zu akzeptieren. Es dient jedoch niemanden, wenn sie sich anmaßen „Demokratien“ in diesen Ländern einzufordern, zur ihrer Durchsetzung aber keine wirtschaftlichen Sanktionswaffen besitzen. Das schadet dem politischen Ansehen und bei Verhandlungen.

 Dr. Viktor Heese –            Finanzanalyst und Fachbuchautor. Webseiten www.prawda24.com + www.finanzer.eu + Youtube – Kanal https://www.youtube.com/channel/UCEnrp5z3Rq5-NOIZmUU7NSg

 

 

Viktor Heese
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Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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