Korrelation von Depotvariablen bei Versicherungen. Kapitalanlageerfolg und Aktienquoten & Co.?

Die heutige Niedrigzinsphase hält ein gutes Jahrzehnt an. Trotzdem folgen die zinssensiblen und den trügerischen Verlockungen des Investmentbankings nicht verfallenen Versicherungsunternehmen – und damit ihre Aktienkurse – nicht den Banken in die Krise. Ungeachtet dessen bleibt der Branche angesichts des stagnierenden operativen Geschäfts und der ausgeschöpften Kostensenkungspotentiale nicht viel anderes übrig, als nach eventuellen Ertragsreserven im Bereich der Kapitalanlagen zu suchen.

Ertragsreserven in der Kapitalanlage mit statistischen Methoden aufspürbar?

Das Gesamtergebnis eines Versicherers setzt sich nach der HGB-Bilanzierung aus dem Teilergebnis im operativen Versicherungsgeschäft und dem Teilergebnis in de Kapitalanlage zusammen. Das letzte wird wiederum sowohl von exogenen, d.h. nicht beeinflussbaren äußeren Faktoren (z.B. der Verfassung der Aktien- und Zinsmärkte) als auch von teilweise beeinflussbaren endogenen Faktoren (Aktienquote, Veräußerungsgewinne und  -verluste, Abschreibungs- und Zuschreibungspolitik, Haltedauer der einzelnen Kapitalanlagen insbesondere der Wertpapiere, Umschichtungshäufigkeit des Depots) mitbestimmt.

Wie wahrscheinlich und wie stark die Depotvariablen – die in erklärte und erklärende modelltheoretisch einzustufen sind – miteinander verbunden sind kann für eine bestimmte Gesamtheit und Untersuchungszeitraum mit den statistischen Methoden der Korrelations- und Regressionsanalyse geprüft werden. Alle Modellvariablen sollten direkt messbar sein und keine abgeleiteten Größen darstellen (z.B. Renditen, Verhältniszahlen).

Werden die endogenen erklärenden Variablen erst einmal identifiziert, so lässt sich beim Ausbleiben von Störungen durch ihre Steuerung das Kapitalanlageergebnis kurzfristig bestimmen.

Statistische Korrelationsanalysen können „Anomalien“ aufdecken

Eine empirische Korrelationsanalyse von Heese/Heese: Warum Versicherungen den Banken nicht in die Krise folgen werden (Diplomica Verlag), für ausgewählte börsennotierte deutsche Assekuranzunternehmen kommt für den Zeitraum 1990 – 2019 zu Ergebnissen die zum Teil gängigen Thesen bestätigen, aber in anderen Fällen auch widerlegen. Zur zweiten Kategorie zählen folgende ausgewählte Beispiele (in Klammern Begründungen) aus der Studie:

  1. Das Gesamtergebnis der untersuchten Sektorenunternehmen korreliert nur schwach positiv bzw. sogar negativ mit Ergebnis aus Kapitalanlagen (Vorstand betreibt eine bewusste Kompensationsstrategie um langfristig einem geglätteten Gesamtverlauf vorzuweisen; Nachhaltigkeitshypothese)
  2. Die Ergebnisse der Kapitalanlage korrelieren nur schwach positiv und negativ mit dem Marktzins, d.h. niedrige Zinsen haben theoretisch nur einen niedrigen Ergebnisbeitrag (Kursgewinne bei Anleihen in der Niedrigzinsphase). Der Befund ist ein starkes contra-Argument gegen das aktuelle „Jammern“ über die zinsbedingte Existenzbedrohung
  3. Die höheren Aktienquoten liefern nicht in allen Fällen per se bessere Ergebnisse in der Kapitalanlage (in der Baisse ist es ergebnisgünstiger eine niedrige Aktienquote zu fahren; in der Hausse hilft die höhere Quote nur bei den „richtigen“ Aktien)

Breite Anwendung insbesondere bei Anlagestrategien auch im Fondsbereich

Obgleich solche statistischen Analysen wertvolle Hinweise für die Anlagestrategien liefern dürften sind sie – anders als bei makroökonomischen Modellen – sind sie in der Fachliteratur kaum anzutreffen. Gerade im Assekuranzbereich erleichtert die einheitliche Datenbasis (einheitliche Berichterstattung nach BaFin-Vorschriften, Quartalsberichte, umfangreiche Depotposten die als erklärende Variablen geeignet sind) die Analyse.

Zudem wären wegen des ähnlichen Geschäftsgebahrens von Kapitallebensversicherungen und Fonds – neben den Banken zählen sinnvollerweise die beiden Branchen zu dem Sektor der Finanzdienstleistungen – die Ergebnisse auch im Fondsbereich anwendbar.

  

 

Viktor Heese
Über Viktor Heese 141 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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