Reiche Dividendensaison 2020: Ist Corona nicht so gefährlich und verschenken wir zu viel Rendite durch Aktienkneiffen?

 Der Wonnemonat Mai geht bald zu Ende und die größten DAX-Unternehmen haben ihre Hauptverhandlungen abgehalten. Teils geschah das virtuell, einige Unternehmen (z.B. Volkswagen haben den Termin verschoben). Dividende für 2019 wurden gezahlt bzw. nicht gezahlt und wie erwartet einige zurückhaltende Prognosen geliefert. Der erneut reich gedeckte Tisch wirft die Frage auf, ob das Klagen der Wirtschaft nicht ein wenig übertrieben ist. Die Corona ist seit drei Monaten bekannt, es wäre eine größere Dividendenzurückhaltung zu erwarten – werden doch die Konzernbosse sich gegenüber ihren Aktionären ehrlicher geben müssen, als gegenüber der Öffentlichkeit sein. Was besagen konkret die Zahlen?

Dividende als Indikator für wirtschaftliche Verfassung – schon „Entwarnung“ für 2020?

Soll die These von einer „eher relativen

Schädlichkeitserwartung der Corona-Krise“ bejaht werden, müssten gleichzeitig drei Kriterien erfüllt sein:

  1. Die Dividenden sollten sowohl für 2019 als auch für 2020 reduziert werden oder ganz ausfallen. Die Thesaurierung für 2019 hätte dabei einen Vorsorgecharakter, um für das eventuell „katastrophale“ Jahr 2020 Reserven zu haben.
  2. Die Dividendenkürzung müsste signifikant ausfallen, d.h. mindestens 50% der vorjährigen Ausschüttung von 2018 bzw. eines Mehrjahresdurchschnitts betragen.
  3. Der Ausfall-/Kürzungsbeschluss durfte nicht in der Vor-Corona-Zeit (also vor März 2020) gefallen sein, weil er dann andere Gründe hätte

Die Prüfung ergab, dass diese drei Kriterien nur selten gleichzeitig eintraten, so im DAX-Bereich bei der Lufthansa, Daimler und HeidelbergCement. Viele Indexunternehmen haben ihre früheren Erwartungen nicht reduziert und zum Teil höhere Ausschüttungen gemacht.

Auch die mit erwarteten 34,1 Mrd. € (2018: 38,2 Mrd. €) wenig veränderte Gesamtauszahlung kann überraschen. Per Saldo entspricht dieser Rückgang der reduzierten Gewinnerwartung der Analysten für die Index-Aktien um knapp 11%, was ebenfalls wenig verwundert, weil die Zunft gewöhnlich „mit dem Strom schwimmt“ und sich in Krisenzeiten Zeit mit den Anpassungen „nach unten“ lässt.

Ausländer kassieren die meisten Dividenden, weil ihnen der „DAX gehört“

Die weitere Frage ist, ob neben den wirtschaftlichen Erwartungen nicht der „Druck der Eigentümer“ die Ausschüttung mitbestimmt. Bei Volkswagen – Hauptversammlungstermin immer noch offen – soll das finanzklamme Niedersachsen trotz Corona eine höhere Dividende von 6,50€ (4,86) € durchzusetze. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autohersteller-warum-bei-vw-die-dividende-wohl-auch-dieses-jahr-nicht-ausfaellt/25807966.html

Die allermeisten DAX-Dividenden kassierten für 2019 bis dato mit 19,8 Mrd. € laut der Unternehmensberatung Ernst € Young die Ausländer – wie der US-Fondsriese BlackRock https://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article163262475/Die-Gewinne-der-Dax-Konzerne-kassieren-vor-allem-Auslaender.html – für die  deutschen Aktionäre blieben nur 12,5 Mrd.€ übrig. Kein Wunder, gehört doch in der heutigen Welt des freien Kapitalverkehrs der „deutsche“ DAX zu 55% den ausländischen Investoren. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/hr-boerse-story-15577.html. regelmäßig

Angsthasen verschenken dauerhaft Rendite

Auf dieses Interesse für unsere starke Wirtschaft können wir Deutsche einmal wieder stolz sein. Warum aber dieses Dauergejammer wegen „Nullzins“ und drohender Rentenarmut im Alter?

Der vorgenannte 55%ige DAX-Anteil „kostet“ an der Börse heute weniger als 500 Mrd. €. Mit der Umschichtung eines Teils ihres Gelvermögens von 6,3 Bill. €, als von etwa 8%, gehörten – vereinfacht formuliert – dieser Anteil und damit die Dividenden von 3% unseren privaten Haushalten. So läuft es schon seit Jahrzehnten. Ausländer kassieren, Deutsche gucken zu. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37880/umfrage/geldvermoegen-der-privathaushalte-in-deutschland/. In der Corona -Krise hat so mancher genügend Zeit um darüber nachzudenken.

 Fazit:

Aus der Teil- und Momentaufnahme darf nicht unkritisch auf den wirtschaftlichen Corona-Gesamtschaden geschlossen werden, weil der Mittelstand sicherlich mehr „leidet“ als der DAX. Dennoch zeigt die üppige Dividendenauszahlung – mehrheitlich an die Ausländer –, dass wir Deutschen hier etwas falsch machen, wenn wir dauernd Rendite verschenken.

Viktor Heese
Über Viktor Heese 130 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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