Keine Airbus-Sanierung mit Lufthansa-Hilfen. Der Lufthansa-Airbus-Krimi geht in die Verlängerung

Noch gerade rechtzeitig vor der Annahme von 9 Mrd. € Staatshilfe gegen eine 20%ige Bundbeteiligung durch die Lufthansa https://www.youtube.com/watch?v=dMp5ivCAuGw&t=4s wurde folgender Trick publik: die Airline sollte für 5 Mrd. € die bestellten Airbusse abnehmen und damit die Krise des europäischen Flugzeugebauers abmildern. Der Hersteller wäre dann zwar saniert, die Bazooka-Jungs Scholz & Altmeier könnten vor den Kollegen der Airbus-Länder blendend dastehen, die Deutschen wären aber einmal wieder die dummen. Ginge die Staatshilfe durch den Flugzeugkauf schnell aus, müsste diese – und damit die Staatsbeteiligung auf die Sperrminorität von 25% (Mitspracherecht!) – ausgestockt werden. Der Plan ging schief. Der Lufthansa-Airbus-Krimi muss in die Verlängerung.

Aibus

Schon schlimm genug: Rettung über Kredite ausreichend, warum noch die Staatsbeteiligung?

Warum der Staat nicht einfach dem Flieger Kreditgarantien gibt wie im Corona-Rettungspaket vorgesehen, sondern nach einer Beteiligung zu greifen versucht wurde berichtet. Die Lufthansa braucht kein frisches Eigenkapital (aktuelle Höhe über 10 Mrd. €), sondern Liquiditätshilfen wegen Geschäftsstillstand und drohender Verluste in 2020/2021 von geschätzt je 3 Mrd. €. Mit der Staatsbeteiligung könnte die GroKo aber ihre politische Klientel bedienen (AR-Posten, „Hilfspropaganda“, Ökoauflagen für die Grünen). Darauf pocht sie.

Airbus in der Corona-Krise: Verlust, Kurzarbeit, Stellenabbau, keine Staatshilfe gefordert

Klar, dass auch Airbus durch den Corona-Krisenmodus leiden muss, wenngleich (noch?) nicht so stark wie die Airlines direkt. Der Aktienkurs brach innerhalb von Wochen von 130€ auf 54€ ein, für 2019 wurden ein Verlust von 1,4 Mrd. € (Vorjahr Gewinn 3 Mrd. €) und kompletter Dividendenausfall gemeldet. https://www.finanzen.net/aktien/airbus-aktie. Die laufende Produktion 2020 wird um ein Drittel gekürzt, weiter Stornierungen drohen. Das Aus für A380 wegen Rückzug der Emirate naht. Kurzarbeit wird in Anspruch genommen, 10.000 Jobs sind in Gefahr. Es wird jedoch keine Staatshilfe gefordert. https://www.airliners.de/bundesregierung-lufthansa-schicksal-airbus-orderbuch/55543. Unklar bleibt, ob die Lufthansa für die 148 Order ein Rücktrittsrecht besitzt und wie weit der Flugzeugbau bereits fortgeschritten ist. Swissair ließ ihre Auslieferungen allerdings schon verschoben.

Die Bazooka-Jungs bekommen ein Problem: Zusammen 200.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Noch vor zwei Monaten prahlten die Bazooka-Jungs Altmeier & Scholz mit milliardenschweren Rettungsplänen des Bundes. Einzelne Bundesländer, die Weltbank, die EU und viele andere Finanzadressen folgten. Vor lauter Zahlen und Akklamationen verliert der Normalsterbliche langsam den Überblick. Allein die EU will mit Hilfspakete von 1,5 Bill. € den Wiederaufbau finanzieren. https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/billionen-programm-geplant-eu-gipfel-ringt-sich-zu-milliardenschweres-hilfspaket-durch-billionen-summe-fuer-den-wiederaufbau-gesucht-8780003.

Wenn es andererseits konkret wird, gibt es Probleme, wie die Causa Lufthansa/Airbus zeigt. Dabei ginge es hier im Ernstfall um mindestens 200 Tsd. Arbeitsplätze (138 Tsd. Lufthansa + 46 Tsd. Airbus in deutschen Fertigungsstätten + Zulieferer). So etwas ist kaum vorstellbar. Je länger der spannende Krimi aber andauert, desto unglaubwürdiger wird das Hilfegelaber.

Wie kann es weiter gehen? Wären ausländische Großinvestoren akzeptiert?

Außer dem 10%igen Paket des deutschen Industriellen Thiele (Knorr-Bremse, Vossloh) hat die Fluglinie keinen Großaktionär. Auch 81% der Anteile befinden sich in Händen deutscher Aktionäre https://investor-relations.lufthansagroup.com/de/aktie-anleihen/aktionaersstruktur.htmlDas soll wegen der Systemrelevanz auch so bleiben.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier warnte daher erst kurz vor dem „heimlichen Aufkauf von Lufthansa-Aktien“ https://www.onvista.de/news/bouffier-warnt-vor-heimlichem-aufkauf-von-lufthansa-aktien-359334889. Bei einer Marktkapitalisierung des DAX-Titels von knapp 4 Mrd. €, könnten nämlich Investoren aus den USA, Golfstaaten oder China große Pakete aus der Portokasse bezahlen. Der besorgte Landesvater vergisst dabei aber, dass ein „Aufkauf“ in der Welt des freien Kapitalverkehrs rechtlich nicht verboten ist. Pakete von 5% und das Mehrfache davon sind lediglich per ad hoc-Meldungen bei der Börsenaufsicht BaFin anzuzeigen.

Deutschland muss seine Industrie bewahren. Von Caritas-Jobs können wir nicht leben!

Hier kommen wir langsam zum Kern des Problems. Das rohstoffarme aber mit Humankapital (noch?) reichlich ausgestattete Deutschland soll den Status als traditionelle Industrienation behalten, „schafft sich“ aber hierbei durch Bürokratie, Ökoauflagen, Klima- und Energiewende sukzessive „ab“. Folgender Indikator belegt diesen Trend deutlich: der Größte Arbeitgeber im Land ist heute nicht einer der international aufgestellten Großkonzerne Volkswagen, Telekom oder Siemens, sondern mit 660 Tsd. Mitarbeiter die Caritas. https://www.caritas.de/diecaritas/wir-ueber-uns/die-caritas-in-zahlen/statistik. Tendenz steigend.

Allein von den Jobs im Gesundheitswesen und der Alterspflege werden wir nicht überleben. .

 

 

Viktor Heese
Über Viktor Heese 132 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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