Führt eine Bitcoin-Währung zur Deflation und Hochzinsphase?

Bitcoin (BTC) odbija się, ale nie odzyskuje 36 000 USD

Krisensicherheit bringt nur die Rückkehr zur marktwirtschaftlichen Geldpolitik

Viele Bürger sehen heute in den „Privatwährungen“, wie dem Bitcoin, die Lösung geldpolitischer Krankheiten unserer Zeit. Ausufernde Staatsverschuldung durch illegale Staatenfinanzierung, Target 2 und andere Euro-Verwerfungen, ungehemmte Geldmengenschöpfung, Nullzinsen und Enteignung der Sparer, massive Vermögensinflation würde es in einer Kryptowährung nicht geben – wird behauptet. Auch wenn diese Erwartung stimmen sollte, so hätte die Bitcoin-Währung andere Negativfolgen, wie die Deflation, Wirtschaftskrisen oder die Hochzinsen.

Zu viel Geldmenge führt zur Inflation, zu wenig zur Deflation – beides ist unerwünscht

Geld und Gewinnerzielung sind die Antriebsmotoren jeden wirtschaftlichen Handels. Daher ist die Geldversorgung, die mit der Geldmenge (M) gemessen wird, unabdingbar. Wie hoch diese in einer wachsanden Wirtschaft auszufallen hat, hängt vom BIP-Wachstum (Q), dem Preisniveau (P) auf dem Gütermarkt und der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ab (V) ab. Dieser Zusammenhang wurde vom US-Ökonom Irving Fisher bereits Anfang des 20.Jahrhunderts entdeckt und mit der Formel M+V = Q+P beschrieben. Er ist als die Quantitätstheorie des Geldes bekannt.

In prozentualen Raten ausgedrückt wurden drei Konstellationen dieser Aggregate beobachtet. Die unteren Zahlen sind fiktiv, widerspiegeln aber die grundlegenden ökonomischen Trends der letzten Jahrzehnte:

  1. zu hohe Geldmengen bei niedrigem BIP-Wachstum und staatlich Fixpreisen waren typisch für die Planwirtschaft. Die Leute hatten Geld, das sie unter dem Kopfkissen hielten. Es gab aber kaum Waren. Beispiel: Beim jährlichen Geldmengenzuwachs von 8%, einem BIP-Wachstum von 3% und Fixpreisen suchte sich der Geldüberschuss das Ventil im Zwangssparen, der in der verlangsamten Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zum Ausdruck kam (5%).
  2. in einer funktionierenden Sozialen Marktwirtschaft überstieg das Geldmengenwachstum (6%) in der Regel leicht das Wirtschaftswachstum (3%), was bei einer mäßigen Inflation (3%) und eher unveränderten Umlaufgeschwindigkeit geschah. Moderate Preissteigerungen waren für den unternehmerischen Anreiz notwendig, weil sonst die Deflationsgefahr drohte. In diesem Fall betreiben Konsumenten in Erwartung morgen sinkender Preise heute den Käuferstreik. Das würgt die wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen ab und fördert die Rezession.
  3. gegenwärtig haben wir bei einer hohen Geldmengenproduktion (8%), geringem BIP-Wachstum (1%) und einer geringen Güterpreisinflation (1%) eine extreme Vermögenspreisinflation (6%), die sich in der Immobilienmarkt- und Aktienmarkhausse widerspiegelt. Auch exotische Anlagen wie Kryptowährungen oder Sammlergegenstände – mein Sohn berichtete mir vom Boom bei den US-Basketballkarten – erleben gegenwärtig Hochkonjunktur und absorbieren den Geldmengenüberschuss. Die negativen Begleiterscheinungen dieser Geldmengenflutungen durch staatlich kontrollierte Notenbanken sind die Niedrigzinsphasen.

 

Bitcoin als Weltwährung macht Deflation und Hochzinsen wahrscheinlich

Grob formuliert sehen die Kritiker der aktuellen globalen Geld- und Finanzordnung die Lösung des Problems im Ersatz der staatlichen Monopolwährungen durch die privaten Kryptowährungen, hier insbesondere den Bitcoin. Konsequent zu Ende gedacht, würde dieser Ansatz bezogen auf die westliche Welt den Austausch der umlaufenden Geldmenge https://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge von etwa 50 Bio. USD (50.000 Mrd. USD) durch die 21 Mio. Bitcoins, die maximal „geschürft“ werden können. Über 90% der Bitcoins sind mittlerweile gefunden worden. Nach Adam Riese ergäbe das einen „Bitcoin-Endwert“ von etwa 2,4 Mio. USD. Hiernach wäre bei einem Bitcoin-Kurs von 28.000 USD per 02.07.201 noch Luft für eine knapp 85fache Steigerung für den mutigen Anleger! Die neue Bitcoin-Geldmenge wäre für alle Ewigkeit auf die Zahl 21 Mio. Stück zementiert, weil keine neuen Einheiten produziert werden, ganz anders als die USD und andere Monopolwährungen die hemmungslos gedruckt werden.

Um die neue Bitcoin-Währung fungibler, d.h. als Zahlungsmittel praktikabler, zu machen wäre ein Split von 1: 1.000.000 sinnvoll. Dann würde ein alter Bitcoin einer Million neuer Bitcoins entsprechen. Wir hätten letztendlich 21 Bio. neue Bitcoin im Umlauf, die die o.g. 50 USD-Geldmenge ersetzen würden. Ein neuer Bitcoin hätte dann einem Gegenwert von heute 2,4 USD und nicht mehr von 2,4 Mio. USD.  So könnte er als Zahlungsmittel eher akzeptiert werden.

Laien möchten in dem Umstellungsakt einen ähnlichen Vorgang wie bei der Euro-Einführung sehen. Nicht die Fragen, wer eine die Umstellung verordnen sollte oder wie die weltweite Ungleichverteilung der Machte durch das Aufkommen der Bitcoin-Billionäre sich verändern würde, kommen noch andere Kryptowährungen in Frage, wäre dabei die wichtigsten.

Viel entscheidender ist die Antwort, wie zukünftig Wachstum entstehen soll, wenn bei einer nicht mehr steigenden, auf 21 Mio. Stück begrenzten, Bitcoin-Geldmenge Preissteigerungen am Gütermarkt und damit der Anreiz für die Produzenten nicht möglich sind. Steigt das globale BIP z.B. um 3%, müssten die in den neuen Bitcoins ausgedrückten Preise um 3% fallen, sonst reicht die neue Bitcoin-Geldmenge nicht aus. Eine Zeit wäre durch die fallenden Preise (z.B. um 5%) der Vermögenwerte und die steigende Umlaufgeschwindigkeit (z.B. 2%) ein Spielraum für steigende Gütermarktpreise (jetzt von 4%) geschafften werden. Beispiel: Nach der oben genannten Quantitätstheorie M+ V = Q + P hätten wir nämlich eine Zahlen-Konstellation 0% + 2% = 3% + (4% – 5%). Auf Dauer wäre der Deflation und der mit ihr einhergehenden Rezession nicht auszuweichen. Auch Zinnsteigerungen wären bei dieser Geldmengenknappheit sehr wahrscheinlich, da es keine Notenbank mehr gibt, die billiges Geld durch Geldmengenschöpfung schafft. Sowohl Hochzinsen als auch Illiquidität wirken konjunkturstörend.

Fazit:

Für eine funktionierende zyklusadäquate Konjunkturpolitik sind eine variable Geldmengensteuerung und andere Instrumente der Gelpolitik nach wie vor notwendig. Diese vernünftige Politik wurde lange Zeit in der Nachkriegszeit gefahren, ist aber heute durch massiven Regelbruch durch die Staaten und Notenbanken nicht mehr sichtbar. Demotivierte Bürger glauben es sei heute einfacher eine Kryptowährung zu installieren als die Politik zur Regelrückkehr zu zwingen. Leider erweist sich diese Vorstellung als ein Trugschluss, wie die Gefahr der Deflation und der Hochzinsen zeigen. Die unbequeme Wahrheit ist: Auch ein Bitcoin vermag die Marktregeln nicht außer Kraft zu setzen.

Viktor Heese
Über Viktor Heese 150 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*