Emigration aus Deutschland wird weiter andauern

Wer im März 2020 die Rückführung der 250.000 Corona-Deutschen aus dem Ausland beobachtete, glaubte ein Ende der Auswanderung ist nah. Das war ein Trugschluss, weil es primär Touristen waren, die Massenrückführung eine international abgestimmte staatliche Aktion war und nicht die im Ausland offiziell lebenden und „etablierten“ Deutschen mit Job, Firma und Zukunft betraf. Im Jahresverlauf waren 2020 dann wieder so viele ausgewandert wie in der Zeit vor 2015. Wie geht es aber weiter?

Bestandsaufnahme

Die offizielle (offene) Auswanderung von 2005 bis 2021 erreicht etwa 700.000 Personen

Die reale Auswanderung ist höher als es die Abmeldestatistiken – Basis für amtliche Emigrationszahlen – bei den

Einwohnermeldeämternvermuten lassen. Wer meldet sich freiwillig ab, wenn er die Vor

teile des Sozialstaates verliert und nur bedingt wiederbekommt? Wer die Migrationsstatistiken analysiert, sollte zwischen Brutto- und Nettozahlen (Fortzüge minus Zuzüge) unterscheiden und muss zusätzlich differenzieren zwischen den Ein- und Auswanderungen von Deutschen („Passkriterium“) und den Ausländern, die keinen deutsche Pass haben, sowie zwischen den Bestandszahlen (Frage: Wie viel Menschen sind insgesamt bis dato ausgewandert?) und den jährlichen Veränderungen (Frage: Was kommt Jahr für Jahr dazu oder geht fort?). Das 1×1 der statistischen Analyse lässt grüßen.

Die Statistiken verwirren zusätzlich, wenn das Kriterium Migrationshintergrund hineingebracht wird. Die Bürokratie unterscheidet zwischen Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund, der sich nicht nach dem ethnischen Kriterium (Volkszugehörigkeit), sondern dem Zeitpunkt der Wohnungsaufnahme im Bundesgebiet orientiert. In diese Kategorie fällt gleichermaßen ein Spätaussiedler aus Ostpreußen und dessen Nachkommen, wie ein eingebürgerter Syrer oder Nigerianer.  Wenn die Kategorie „Nation“ oder „Volk“ amtlich umgangen wird, heißt es nicht sie sei völlig ausgelöscht. Sie analysierte Bleek in den 1980er Jahren und kam zum Schluss, dass etwa 10-15 Millionen Personen außerhalb Deutschlands leben, die der deutschen Sprache mächtig sind und ihre Zugehörigkeit zum deutschen “Volkstum” deklarieren, die meisten in Südamerika (Brasilien; Paraguay, Argentinien) und in Osteuropa (Polen). https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/160471/auslandsdeutsche

Die Merkelzeit war auch die Auswanderungszeit von Deutschen

Die Merkel-Jahre 2005-2021 werden in die deutsche Geschichte nicht allein als die Ära der Großen Migration, sondern auch als der Großen Auswanderung (Emigration) von Deutschen eingehen. In diesem Zeitraum sind nach Abzug der Rückkehrer etwa 700.000 Personen ausgewandert. Allein in 2016 waren es etwa 140.000. Zu den Gründen wird unten kurz berichtet.

Die inoffizielle (offene + stille) Auswanderung 2005 – 2021 etwa 1,3 Millionen Auswanderer

Zu der Gruppe nicht erfasster „stillen“ Auswanderer zählen nicht nur die Hartz IV-Leute, sondern auch die „Armutsrentner“, die es nach Südosteuropa (Bulgarien, Rumänien, Ungarn) zieht und die Aus- und Spätaussiedler, die in ihre Heimat (Polen, Rumänien, weniger nach Russland) zurückwollen.

Die Aussiedlerzahl aller Deutschen aus Osteuropa nach 1950 beträgt 4,5 Mio. Personen. Auch mit kleinen Renten leben die Rentner „ohne Migrationshintergrund“ auskömmlich und ungestört hinter der Oder, bleiben aber pro forma oft bei den Kindern in Deutschland angemeldet. Zwar stehen ihnen die kassenärztliche Versorgung und die Rentenüberweisung in der Ost-EU zu, aber temporäre Arztbesuche in Deutschland werden vorgezogen – so war es in der Vor-Corona-Zeit.

Schließlich zählen zu der Gruppe der „Nicht- Offiziellen“ die hochkarätigen Spezialisten, die in den USA, Australien oder in Kanada Karriere und Leistungsanerkennung suchen und auch Vermögende vieler Couleur. Ein Abmeldenachweis wird selten im Zielland verlangt, deswegen melden sich nur wenige ab. https://www.youtube.com/watch?v=PiVhFuaMbzY&list=PLeCDw83hPAAovkWMfD9gYgTaeyu-Uitiu&index=34 .

Unter der Berücksichtigung dieser Feineinstellung verdoppelt sich die Zahl der in der Merkel-Zeit bis heute ausgewanderten Deutschen. Dazu folgende konservative Schätzung:

  1. Ausgangsbestand 2020 etwa 700.000
    2.  Auslandsrentner    240.000 (an Deutsche im Ausland gezahlte Renten)
    3.  nicht abgemeldete Spätaussiedler 200.000 (Renten/Einnahmen von Privatkonten)
    4.  nicht abgemeldete aktive Auswanderer 80.000 (Spezialisten, „Gastarbeiter“, Selbständige)
    5.  nicht abgemeldete passive Auswanderer 100.000 (Hartz-IV-Bezieher)

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insgesamt 1,32 Mio. Personen
(Quelle: https://mediendienst-integration.de/migration/wer-kommt-wer-geht.html, eigene Schätzungen)

Weitere Bemerkungen zur Erfassungsmethode: Obwohl die obige Zahl schon erschreckend hoch ist, wollen noch mehr auswandern als bisher. Die Deutschen haben aber keinen Mut dazu. http://prawda24.com/deutsche-wollen-auswandern-haben-dazu-aber-keinen-…Auch die wegen ihrer „politischen Inkorrektheit“ nicht erhobenen Befragungen über die Zahl der Ausreisewilligen gehört zur Darstellung des Phänomens. Laut einer älteren Umfrage der Welt wollten 55% der Deutschen auf Dauer oder vorübergehend das Land in dem „wir gut und gerne leben“ verlassen. https://www.welt.de /vermischtes/article181832452/Umfrage-Mehr-als-die-Haelfte-der-Deutschen-wuerde-gern-auswandern.html.

Wieviel Wirtschaftsleistung verliert Deutschland durch die Emigration?

Erfassungsproblem

Ein geeignetes Bewertungskriterium ist das im Inland entgangene Einkommen inklusive Steuern und bei den Beziehern von Transferleistungen auch die verlorene Kaufkraft. Ein weiteres Kriterium sind die Kapital- und Spargeldabflüsse – die auch „Steuerflüchtlinge“ umfassen.

Auswanderungswillig sind junge, hochqualifizierte Fachkräfte und Akademiker, deren wirtschaftlicher Beitrag zur Wertschöpfung (Steuern und Kaufkraft) des Landes überproportional sein wird. https://www.focus.de/finanzen/news/neue-studie-domaene-der-hochqualifi … Seit 2015 hat die Auswanderung in zwei Gruppen zugenommen: Deutsche, die mit 30 bis 49 Jahren mitten im Berufsleben stehen, wanderten 2015 annähernd doppelt so oft aus wie nach der Wende. Noch deutlicher ist der Trend bei älteren Menschen: Nach dem ihre Zahl zwischenzeitlich gesunken war, wanderten 2015 zweieinhalbmal so viele Senioren aus wie 1991. 2018 waren es gar mehr als dreimal so viele. Die erste Zahl war nicht erwartet, die zweite sehr wohl.

Über das Tabu-Thema, Ermittlung des volkswirtschaftlichen Gesamtschadens infolge der Emigration, traut sich vor dem Hintergrund der staatlichen Subventionierung kein Wirtschaftsforschungsinstitut (DIW & Co.) zu recherchieren. Aber auch von der politischen Opposition hört man dazu nichts. Ein schnelles nachgoogeln zeigt, dass mindestens zehn „Migrationsforschungsinstitute“ hierzulande dazu befähigt sind. https://www.google.com/search?q=forschungsinstitute+f%C3%BCr+migration … Stattdessen werden „politisch-korrekte“ pseudowissenschaftliche Abstrakte über den positiven Beitrag der Migraten zur Rentenversicherung, zum Wachstum oder Schließung der beklagten Facharbeiterlücke kreiert.

Reichen auf der Flucht vor der Migrantenflut: Frühindikator für einen wirtschaftlichen Crash?

Nicht nur Armutsrentner, sondern auch die erste Einkommens- und Vermögensliga verlässt im Stillen ihre Heimat. Das ist seit Jahrtausenden ein ungetrübtes Zeichen, dass die wirtschaftlichen Zeiten unsicherer werden https://www.stern.de/wirtschaft/geld/millionaere-fliehen-aus-deutschla …. Anders als früher, handelt es sich hier nicht um die übliche Verlagerung des Wohnsitzes in den warmen Süden – vielmehr sind die Reichen auf der Flucht vor den Armen und den Gelüsten des Sozialstaates.

Laut dem Globalen Vermögensreport verließen 2016 schon 4000 Einkommens-Millionäre das Merkel-Land, was einer Verzehnfachung innerhalb von wenigen Jahren entspricht. Ein schwacher Trost ist, wenn die Flucht aus Frankreich, Italien oder Griechenland noch stärker anhält. Dank ihrer Finanzen, Ausbildung und internationaler Kontakte haben es die Reichen viel einfacher auszuwandern, zumal in Länder wie Kanada und Australien, wo Vermögen ein Aufnahmekriterium darstellt. Der Auszug der Millionäre heißt nicht, dass sich die Verbliebenen wohlfühlen. Auch die Mittelschicht und so mancher kleine Mann möchten gerne weg, sie sind aber in Sachzwängen (Job, Familie, Heimat), gefangen, wie es im Report heißt. https://www.stern.de/wirtschaft/geld/millionaere-fliehen-aus-deutschland—die-nerze-verlassen-das-sinkende-schiff-7354096.html

 Drei Trends werden die Auswanderung verstärken

Die ersten beiden Trends dürften nach den unten dargelegten Begründungen Deutsche der unteren, der dritte, die aus den oberen Einkommens- und Vermögensklassen animieren. Sie werden sowohl die stille als auch die offene Migrationsstatistik zu erhöhen.

  1. Zwangsbeglückung der Bevölkerung, nein danke! In anderen Corona-Ländern gibt es mehr Luft zum Atmen

Obwohl die Corona-Pandemie ein weltweites Phänomen ist, liegen in einzelnen Ländern Welten bei den Zwangs-, Kontroll- und Bevormundungsmaßnahmen. Das ist eine Mentalitätsfrage, die von Nation zur Nation verriert. Gutes Beispiel liefert der Vergleich zwischen Polen und Deutschland. Hinter der Oder boomt die Wirtschaft, die Corona-Maßnahmen werden sehr locker gehandhabt und die Pandemielage ist im Nachbarland nicht dramatischer als bei uns. Wenn sich das herumspricht werden die armen Deutsche in solche „freien“ Länder auswandern, wenigstens saisonal https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtschaft/2021/08/polen-wirtschaft-arbeit-corona-arbeitsamt-slubice.html. In Zeiten des Kriegsrechtes in Polen 1981 – 1989 hieß es „Das Kriegsrecht in Polen sei erträglicher als der Friede in der DDR“.

  1. Der Schuss geht nach hinten – das bedingungslose Einkommen bestes Abflugticket

Die neue Bundesregierung plant Sozialtaten wie das bedingungsloses (nicht leistungsgebundenes) Einkommen und gleichzeitig die Befreiung der Hartz IV-Empfänger von dem Kontrollzwang. Dieses würde bei etwa 1.000 € liegen https://www.dw.com/de/bedingungsloses-grundeinkommen-ein-weg-f%C3%BCr-europa/a-55684281. Damit ließe sich in vielen warmen Ländern auf diesem Globus auskömmlich und zwangsloser als hierzulande leben. Der Schuss kann nach hinten gehen, wenn damit die Auswanderung gefördert wird.

  1. Sozialismusallüren der Scholz-Regierung – eigentums- und leistungshemmende Ideen

Deutschlands Reiche stehen ab dem Tag der Bundestagswahl am 17.9.2021 vor den schweizerischen Migrationsämtern Schlange und überlegen wie sie in aller Stille das Vermögen außer Land ins Alpenland bringen können. Dazu ein passendes Zitat

Olaf Scholz ist ein umgänglicher Mensch, ein Bürokrat ohne Ausstrahlung. Er sitzt im Schraubstock der parteiinternen Linken, des ehrgeizigen Kevin Kühnert und der SP-Co-Präsidentin Saskia Esken. Sie wollen mit Scholzens Hilfe in Deutschland sozialistisch durchregieren. https://insideparadeplatz.ch/2021/09/03/reiche-deutsche-stehen-schlange-in-schweizer-migrationsaemtern/

Fazit:

Auch die merkliche Auswanderung beleuchtet die Zustände bei der „Titanic-Nation“ der Deutschen. Ob das Phänomen keiner wahrhaben will oder das Land keine Oppositionskraft imstande zu bilden, ist für die Einleitung eines Umkehrprozesses irrelevant. 

Autor:

Dr. Viktor Heese – Finanzanalyst und Fachbuchautor www.prawda24.com , www.finanzer.eu und YT- Kanal https://www.youtube.com/channel/UCEnrp5z3Rq5-NOIZmUU7NSg

Über Viktor Heese 154 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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