Crash im Anmarsch: Warum die Bitcoin-Blase bald platzt?

Der Bitcoin pendelte noch unlängst – am 26.11.2020 ist er um 11% eingebrochen- mit knapp 16.000 Euro um sein Allzeithoch von 2017. Kann die brutal gepushte Kryptowährung bald wieder bis 2.500 Euro crashen? Auch ohne das “Bitcoin-Chinesisch” wird der Laie verstehen, warum dieses Szenario realistisch ist. Wären die durch aggressive Verkäufer hinausposauntenKursschancen von 2.000% realistisch, würde auch deutscher Armutsrentner schnell zum Millionär werden.

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Gold ist nur Metall, Geld nur Papier und Bitcoin ein Datensatz aus Zahlen und Buchstaben

Materiell gesehen ist der Bitcoin ein Datensatz aus Zahlen und Buchstaben, so etwas wie ein Passwort. Diesen Satz deponiert er bei der privaten Aufbewahrungsstelle – digital geht es nicht anders – über die er seine Transaktionen managt. Weder externe Kontofälschungen noch ein Zugriff durch Staatsorgane sollen möglich sein, Interneteingriffe aber sehr wohl. Was liegt näher als zu glauben, er hätte tatsächlich einen sicheren, inflationsfreien, anonymen und weltweit anerkannten “Wert” erworben, der auch als Währung eingesetzt werden kann. Wirklich?

Der Bitcoin besitzt weder eine exklusive Krypto-Eigenschaften …

Von den Verkäufern wird vorsätzlich behauptet, Bitcoin sei eine exklusiv “verschlüsselte” Währung. Das ist falsch. Denn mit der sog. Blockchain-Technologie darf jedermann Bitcoin-Konkurrenten erstellen. Es gibt heute global etwa 4.000 Kryptowährungen (!), denen etwa 100 Währungen gegenüberstehen. Auch versuchten Staaten die Anonymität der Krypto-Währungen zu brechen, weil die “Konkurrenzwährung” das Monopol der Landeswährung stört. https://kryptoszene.de/bitcoin-verbot-in-diesen-laendern-ist-es-bereits-realitaet-anzahl-koennte-sich-noch-vergroessern/. Westliche Länder werden Bitcoin & Co. tolerieren so lange diese nicht stören. Fragen, wie soll hier eine Steuerschuld berechnet werden oder warum geheime Bitcoin-Transaktionen mehrwertsteuerfrei sein sollen, stellen sich die Finanzämter ohnehin! Ein Reihenhaus in Köln für 50 Bitcoin gefälligst!

Zwischenfazit 1: Wer als kritischer Zeitgenosse nicht an das Verschwinden des Staatsmonopols glaubt, muss Bitcoins meiden auch wenn Analysten utopische Kurssteigerungen 2000% versprechen.

… noch ist er eine gewollte Währung oder Tauschmittel

Wirtschaftssubjekte müssen eine nichtstaatliche Währung akzeptieren wollen und der Staat diese dulden (siehe oben). Denkbar ist das nur, wenn hinter ihr ein Wert und nicht der Glaube oder ein Modetrend stehen. Der US-Dollar oder der Euro mögen unvollkommen sein, sie verkörpern jedoch immerhin einen – wenngleich schwindenden – Anteil an den Volkswirtschaften.

Zwischenfazit 2: Wer also als Bargeldverteidiger, nicht daran glaubt, eine digitale Währung werde sich gegen die in Jahrtausenden bewährten Münzen und Banknoten durchzusetzen, der darf ebenfalls keine Bitcoins kaufen.

Wie schnell der Glaube an “virtuelle Werte” einbricht, zeigt das traurige Ende des Neuen Marktes in 1999-2002. Beispiel: Die Aktie von Intershop Communication, die damals mit dem Slogan vom revolutionären E-Commerce die Anlegerwelt elektrisierte, belegt exemplarisch, wie schnell so etwas passiert. Der Aktienkurs fiel dramatisch https://www.finanzen.net/aktien/intershop_communications_1-aktie . Die nüchtern kalkulierende Börse lehrt: Alles, was pseudo-ökonomischen Charakter hat, bricht früher oder später ein. Am Neuen Markt war seinerzeit Mode zu dichten, Unternehmen, die die höchsten Verluste machten, befinden sich auf Akquisition und werden bald die neuen Marktchampions. Ihre Aktien seien eben die zukünftigen Kursfavoriten.

Außer Banken, Händlern, Analysten, Börsenmagazinen und anderen Kapitalmarkprofiteuren verdiente mit Aktien des Neuen Marktes kaum jemand Geld. So wird es heute auch bei Bitcoin sein. Eine allgegenwärtige aggressive Verkaufswerbung ist nicht zu übertreffen.

Selbst auf „populistischen Portalen“ wird auf Teufel komm raus geworben. Um das mitzuerleben klicke der Leser im Beispiel nebenan Youtube-Kurzfilm https://alternative-presseschau.com/ mit der schönen Jungmillionärin aus Köln. Er kommt auf die ominöse Seite Finanznachrichten ohne Impressum aber mit einem Impresuum, anderen Tricks nur lauter Verkaufsempfehlungen. Ein Fall für die BaFin oder ein heißer Tipp wie man Millionär wird?

Umgekehrt ist zu fragen, wo die besondere Leistung bei der Bitcoin-Kursavance von 50% in den letzten 6 Monaten liegt. Die Adidas-Aktie schaffte das auch. Allein in deutschen Aktien – geschweige denn in den Derivaten – wird ihnen ein Profi für diesen Zeitraum schnell zwei Dutzend besser rentierende aber bekannte (!) Werte nennen. Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“ – würde da wohl Altmeister Goethe fragen.

Wie geht es mit dem Bitcoin weiter?

Es ist unstrittig, dass die Bitcoin-schaffende Blockchain-Technologie bei Banken, Versicherungen und in der Verwaltung auf dem Vormarsch ist. Anlage und Technologie sind aber zwei verschiedene Dinge. Das eine ist eine Mogelpackung namens Pseudo-Währung, das andere ein real existierendes nützliches Verschlüsselungsverfahren.

Mit dem angeblichen Währungs- und Wertaufbewahrungscharakter des Bitcoins ist es ohnehin noch nicht weit her. Trotz des medialen Rummels sind gerade 400 Mrd. US-Dollar in allen Kryptowährungen – oder 0,4% der globalen Kapitalanlagen (Weltbank) von 150 – 180 Billionen US-Dollar – angelegt.  https://de.statista.com/infografik/1939/marktkapitalisierung-von-kryptowaehrungen/.

Bitcoin besitzt keinen fundamentalen Wert und ist nur ein “Produktionskostenträger”, der extremen Stromverbrauch verursacht. Kosten sind zunächst das Gegenteil von Wert. Wer diese “digitale Münze” noch heute schürft, muss stark an Kurswunder glauben. Wie die technische Seite der „Bitcoin-Produktion“ abläuft ist für die Anleger unwichtig. Sie interessiert nur die betriebswirtschaftliche Seite.

Fazit:

Wer in Bitcoin einsteigen will, sollte untere Fragen zu bejahen bereits sein:

  1. Würden Sie ihr Haus für 50 Bitcoin tauschen, auch wenn man ihnen 100% Gewinn verspricht?
  2. Glauben Sie, dass die Menschen an die Fähigkeit des Bitcoins als Währung glauben werden, selbst wenn dieser exklusiv und fälschungssicher ist?
  3. Glauben Sie, dass der Staat keine Kontroll- und Aufdeckungsmittel findet, wenn ihm die vielen Bitcoin-Transaktionen zu umfangreich werden?
  4. Sehen Sie selbst in den langweiligen deutschen Aktien keine konkurrierenden Renditealternativen zu einem Bitcoin-Engagement?
  5. Ist Ihrer Meinung nach die aggressive Verkaufswerbung in einen angeblich so überzeugenden Wert wie Bitcoin noch normal und notwendig?
  6. Haben Sie irgendwo gehört, dass institutionelle Anleger (Fonds, Banken, Versicherungen, Asset Manager) in Bitcoin investierte hätten?
Viktor Heese
Über Viktor Heese 144 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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