Corona und „populistische Investoren“, wie Berlusconi, sorgen für Aufregung. Fusion von RTL und ProSieben, eine rote Karte für die ARD?

Der Deal wurde dementiert, das Thema bleibt. https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/keine-uebernahme-bertelsmann-steigert-aktienanteile-an-rtl-group-aktien-von-rtl-und-prosieben-profitieren-8519087 Vielleicht naht das Ende des ARD-Meinungsmonopols schneller als wir denken? Durch die Fusion bekäme der Staatsmonopolist einen deutschen Konkurrenten der wegen der „populistischen Großaktionäre“ nicht mehr politisch korrekt sein. Viel zu schön um wahr zu sein? Eine Kurzanalyse stellt das infrage.

 Geschäft humpelt, Kurse brechen ein

Die börsennotierte RTL und ProSieben sind massiv angeschlagenen und Corona macht vieles schlimmer. Eine Fusion würde enorme Synergieeffekte freisetzen. Das sehen Wertpapieranalysten genauso heute, wie schon in Zeiten des Neuen Marktes, als 2001 erste Fusionsgedanken im Gespräch waren. Bis 2018 deuteten die Geschäftszahlen beider Konzerne (Eigenkapitalausstattung, Umsatz, Ergebnisse, Beschäftigtenzahlen) eigentlich nicht auf eine Krise hin. Dennoch rutschen seit 2015 die Kurse unaufhörlich 2015 in den Keller. Für dieses Diskrepanz haben Börsianer nur eine Erklärung: es gibt „versteckte Leichen“, die man in den Bilanzen nicht sieht. In der Corona-Krise kommen sie ans Licht mit Dividendenausfall, Kurzarbeit, Sparprogramme, Gewinneinbrüchen und Negativausblick.

„Populistische“ Investoren nutzen Kursrutsch um einzusteigen

Durch den Kursverfalls hat sich die Marktkapitalisierung beider Firmen auf 7 Mrd.€ reduziert. Das ist für Oligarchen Kleingeld. Geld ist beim Unternehmenskauf (siehe China) generell nicht der alles. Genauso wichtig sind die staatlichen Einwände (oft ohne Rechtsgrundlage!) und EU-Kartellbehörden

Die Aktionärsstruktur weist bei ProSieben einen Streubesitz von 63% und die mediaset (Berlusconi-Gruppe), die Czech Media (Oligarch Kretinsky) mit 10,02% und die KKR (US-Finanzriese KKR) als größte Aktionäre aus. Zusammen besitzen sie eine (nicht juristische) Sperrminorität. Altmeister Berlusconi ist in diesem Trio der wichtigste Macher und seit 1978 im Dauerclinch mit staatlichen Monopolisten (RAI, La7) mit der größten Erfahrung. Er kann mit internationalen Erfolgen aufwarten. In Spanien ist die Mediaset-Tochter Telecinco der größte TV-Anbieter.

Das Trio arbeitet gewinnorientiert, ist „ideologisch neutral“ und lässt sich schlecht für Propaganda einspannen. Dennoch wird auch der dezent agierende Kretinsky, der 49% an „Le Monde“ https://taz.de/Energiemagnat-kauft-Le-Monde-Anteile/!5545549/ erwarb und die Ambitionen auf die Metro nicht aufgibt, beobachtet. Pseudodemokraten machen wie gehabt „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“. Der Mainstream sieht Gefahr für die TV-Landschaft und zeigt sich beunruhigt. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/mediaset-die-hintergruende-zu-berlusconis-einstieg-bei-pro-sieben-sat-1/24405944.html?ticket=ST-1681908-7YieJ7T6EdoSifsmEUTA-ap1

Anders liegt die Lage bei RTL. Hier hat noch erst die Bertelsmann SE & Co. KGaA seine Mehrheit von 75% auf 78% aufgestockt. Eine Sperrminorität ist heute nicht möglich. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass Aktienpakete an Dritte gelangen, dafür sind die „Kulissenverhältnisse“ des Familienclans zu intransparent. Einige Familienmitglieder dürften den 80%igen Kursverfall seit 2001 nicht gutheißen und könnten opponieren.

Rosig sieht es geschäftlich ohnehin nicht aus. Bertelsmann hat 5 Mrd. € Anleiheschulden, davon 1,5 Mrd. € lurzfristige. https://www.finanzen.net/anleihen/bertelsmann-se-kgaa-anleihen Der Konzern soll sich schon seit 2015 im Niedergang befinden https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/niedergang-des-medienriesen-die-problemfelder-von-bertelsmann/11208216-2.html. In der Medienbranche sind unorthodoxe Geschäfte üblich, auch Beteiligungstausch mit verschiedenen Sparten. So stünden gegebenenfalls auch RTL-Anteile zur Disposition:

Beide werden aber niemals Staatshilfe nehmen, sonst schluckt sie die ARD früher oder später.

Nach der Fusion – ein neuer ARD- Konkurrent

Käme es zur Fusion ist der Kampf mit der ARD noch nicht aus.  Der neue Riese bestehend aus den Sendern Vox, Pro Sieben, kabel eins und viele kleinere mehr (sixx & Co.) würde den Staatsfunk beim Marktanteil rechnerisch ein- bzw. überholen. Addiert hätte er nach den 2019er Vor-Corona-Zahlen 23.000 Mitarbeiter (ARD 42.000), einen Umsatz von knapp 12 Mrd. € und einem Jahresgewinn von 1,2 Mrd.€.

Konkurrenz für ARD erst bei „Aufbau“ der Nachrichtensparte

Um zu erfahren, ob der Fusionsriese der ARD in der Meinungsbildung bei politischen-sozialen Fragen Paroli bieten kann, sind die Nachrichtensparten beider Anbieter zu vergleichen. Es geht nicht nur um die Menge (Programmanteil)e, sondern auch um die Rentabilität (Qualität). Die beiden Privatsender senden so viel Information wie die ARD und konzentrieren sich auf die Unterhaltung. Würde sich lohnen beim Newcomer hier nach zu investieren?

Es genügt auch nicht zu sagen, kopiert VOX News – Trumps Lieblingssender – und ihr bekommt den Erfolg. http://www.pi-news.net/2020/04/fox-news-contra-ard-helfen-uns-die-amis-noch-einmal/ Der deutsche Michel ist anders „strukturiert“ als der amerikanische John, unser Gutmensch ist bereit der ARD zu glauben würde sie aus der Not heraus ihm eine Reform vorzugaukeln.

Talkshows werden bei den Fusionskandidaten z.B. fast gar nicht angeboten. Dabei wäre vielleicht gerade dieses Genre mit System-Dissidenten als Gästen, unvoreingenommenen Moderatoren und echt zufällig ausgewählten Publikum der große Renner? Solche TV-Produkte müssten unter Renditeaspekten alles erst ausprobiert werden. Der Durst nach objektiver Information scheint in Merkel-Deutschland enorm zu sein.

Ärger mit dem Merkel-System müsste durchgefochten werden

Ob der Newcomer trotz seiner Marktmacht und guter Rendite den Mut hätte in Opposition zum Merkelchen Politsystem zu gehen, ist eine weitere Frage. Sollte Bertelsmann mitmachen, wäre das eine „echte Revolution“.

Ist die Fusion aber nur als eine vorübergehende „Kostenehe“ geplant, droht ihr nach der Sanierungsphase der Zerfall. Ob weiter die „populistischen ausländischen Investoren“ auch die Geschäftspolitik mitbestimmen wollen, oder sie nur der Gewinn interessiert, muss ebenfalls geprüft werden. Die erste Mutprobe hat Berlusconis Mediaset (Chef Pier Berlusconi, Sohn des Altmeisters) mit der Unterstützung der Absetzung von Max Conze, dem Chef von ProSiebenSat1, bereits bestanden.

Fazit.

„Populistische Großinvestoren“ – deutsche Publikumsfonds sollten sich ihnen anschließen!  – werden die Gelegenheit für einen weiter Einstieg bei den Medienriesen nutzen um über Aktienmehrheiten die Geschäftsführung mit zu gestalten. Uns ARD-Opponenten interessiert vor allem die Förderung der rentabel aufgeputzten „populistische Nachrichteninhalte“. Die GEZ – Gebühren wären durch die Fusion zwar nicht hinfällig, die neue Konkurrenz auf dem Gebiet der Meinungsfreiheit würde das ARD-Monopol aber erheblich einschränken. Ein Teilsieg wenigstens. So sehr wir uns darüber freuen würden, der fade Beigeschmack bleibt: immer mehr Ausländer kaufen sich in die deutsche Wirtschaft ein. 

Viktor Heese
Über Viktor Heese 141 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

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