Anlagegewohnheiten der Deutschen – Wer nichts wagt, der nicht gewinnt

Alle Jahre wieder werden Daten zum Geldvermögen der deutschen Privathaushalte aktualisiert. Wer zukünftig an der Börse gutes Geld verdienen möchte, sollte in diesen Statistiken mehr als nur bunte Graphiken und nackte Zahlenkolonnen sehen. Der Börsenneuling erfährt aus ihnen zwar keine direkten Börsentipps, vieles aber über seine zukünftigen Mitstreiter. Für ihn sind daher folgende Informationen wichtig:

  1. Wer sein Geld so ängstlich anlegt, wie der Otto-Durchschnitts-Deutsche, wird niemals richtig vermögend. Von den 5.503 Mrd. € Geldvermögen in 2015, flossen bescheidene 10,5% in echte Risikopapiere (Annahme: die Hälfte der Investmentfonds sind Aktienfonds). Wer nichts riskiert, sollte sich später auch nicht beklagen, wenn er keine ordentliche Rendite erzielt. No risk, no fun! – haben wir im letzten Beitrag gelernt. Schließlich sind nicht nur die Angelsachsen, die mit der Aktie in der Wiege aufwachsen, risikofreudiger als die Deutschen sind. Mehr Mut zeigen auch unsere Nachbarn, die Schweizer oder die Holländer.bild
  2. Der aufmerksame Graphikleser merkt, dass es neben den Privathaushalten große professionelle Börsenakteure – Banken, Versicherungen und Pensionseinrichtungen – gibt. Diese Adressen werden sein Bargeld und Anlage (39%) sowie die Versicherungsansprüche (31%) irgendwo renditeattraktiv investieren. Auch Großunternehmen legen ihre nicht betriebsnotwendigen Gewinne oft direkt an der Börse an. Hinzu kommen noch die finanzstarken Ausländer, die heute mit 55% die Mehrheit der DAX-Aktien besitzen. Ob all diese Börsensubjekte sich genauso passiv verhalten wie der Otto-Durchschnitts-Deutsche, kann er aus der Graphik nicht erkennen. Wohl kaum. Eines ist dennoch sicher: diese Subjekte werden über mehr Börsen-Know How als unser Neuling verfügen. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits könnten sie ausgeklügelte Anlagestrategien kennen, andererseits müssen Fonds und Asset Manager (freiwillig) ihre Depots offenlegen und man könnte so manches von den  Profis abgucken.
  3. Wer sich schließlich die Mühe macht und die Graphiken vergangener Jahre mit heute vergleicht, merkt das sich in der Anlagestruktur – sprich in der Risikoaversion – des deutschen Privatanlegers nichts verändert hat. (Um an entsprechende Daten zu kommen, braucht der Leser z.B. nur nach „Geldvermögen Privater Haushalte 1990“ zu googeln). Die Deutschen bleiben so lange stur, bis es ihnen doch irgendwann zu langweilig wird und sie dann unnötig „ausflippen“. Sie werden dann Opfer von fraglichen Beratern und fraglichen Finanzprodukten. Ausländer meinen, dies habe etwas mit dem deutschen Charakter zu tun, wo der Glaube an die „Experten“ und die „Banken“ ganz oben stehen. Wie dem auch sei, am Jahrhundertcrash des Neuen Marktes 2000 – 2001 haben vor allem Kleinanleger geblutet. Der altbewährte Börsenspruch Spruch „Kleinanleger sind nichts als das Kanonenfutter“ beschreibt diese Katastrophe in exzellenter Weise.

Was lernen wir daraus? Jeder Börsenneuling ist gut beraten, wenn er nach der Anlagerelevanz von verschiedenen Statistiken und Graphiken fragt. Er macht keinen Fehler, wenn er sich über die Funktionsweise der Börse in Eigenregie, kritisch und Schritt für Schritt informiert. Wir helfen ihm mit dieser Beitragsreihe dabei.

https://arcadimagazin.de/anlagegewohnheiten-der-deutschen-wer-nichts-wagt-der-nicht-gewinnt/

Viktor Heese
Über Viktor Heese 86 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er übersiedelte 1972 aus dem ehem. Ostpreußen und hat bis zur seiner Pensionierung (2014) als Börsenanalyst gearbeitet.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*